Langstreckenflüge bereiten in der Economy Class wohl in den seltensten Fällen Vergnügen - die Airlines pferchen aus nachvollziehbaren Gründen so viele Passagiere wie möglich in die "Holzklasse", was meist zulasten der Bequemlichkeit geht. Deutlich komfortabler reist es sich in der Business Class - allerdings sind die Ticketpreise "vorne" mitunter jenseits von Gut und Böse.
Vor einigen Jahren wurde daher von kreativen Airline-Managern die Premium Economy Class eingeführt - preislich und beim Komfort zwischen den beiden Klassen angesiedelt. Mittlerweile wird sie von zahlreichen Fluglinien angeboten - seit 2017 auch von Austrian Airlines. Hierzulande dürfte das Konzept jedenfalls erfolgreich sein: Bereits 2022/23 wurde die Kabine in den Langstreckenmodellen Boeing 767 und 777 deutlich vergrößert - von 18 auf 30 bzw. von 24 auf 40 Plätze.
Seit 2024 setzt die AUA mit der Boeing 787 auf ein neues Muster für die Interkontinentalrouten, das in den kommenden Jahren die bereits in die Jahre gekommenen 767 und 777 ersetzen soll. Die Premium Economy verfügt dort derzeit über 21 Sitzplätze, ab 2027 soll die Kapazität auf 28 Plätze steigen.
Nachdem wir vor Kurzem die Austrian Airlines Business Class auf einer Rotation von Wien nach Tokio und zurück getestet haben, war nun die Premium Economy in der Boeing 787 an der Reihe - und zwar auf einem vergleichsweise kurzen Langstreckenflug von Wien nach New York (Newark) und retour.
Buchung
Bei der Buchung kann man auch in der Premium Economy zwischen mehreren Tarifen wählen, die sich wie üblich bei Umbuchbarkeit und Rückerstattung, aber ebenso beim Freigepäck unterscheiden. Wir wählten den Comfort-Tarif, der zwei Aufgabegepäckstücke zu jeweils maximal 23 Kilogramm sowie ein Kabinengepäckstück bis 8 Kilogramm und einen persönlichen Gegenstand umfasst. Daneben bietet die AUA unter anderem einen Light-Tarif an, bei dem lediglich ein Aufgabegepäckstück inkludiert ist.
Im Vergleich zur Economy Class kostet die Premium-Version etwa das Eineinhalb- bis Doppelte, wie eine Reihe von Testbuchungen zeigte. Einen vergleichbaren Preisunterschied gab es zwischen Premium Economy und Business Class. Es lohnt sich daher, verschiedene Reisetage zu vergleichen, da die Tarife mitunter deutlich schwanken.
Nicht enthalten ist - mit Ausnahme des teuren Premium Economy Flex-Tarifs - die Sitzplatzreservierung. Diese muss man in vielen Fällen wohl dazubuchen, wenn man beispielsweise vermeiden möchte, auf einem der ungeliebten Mittelsitze zu landen. In unserem Fall schlug sie mit 55 Euro pro Person und Strecke zu Buche - also mit 110 Euro für beide Richtungen.
Vom Check-in zum Boarding
Hier unterscheidet sich die Premium Economy kaum von der regulären Economy Class: Gepäcksaufgabe am normalen Schalter oder Automaten, keine Fast Lane bei der Sicherheitskontrolle und auch kein Loungezutritt. Einen Priority-Sticker für eine bevorzugte Gepäckausgabe gibt es ebenfalls nicht.
Beim Boarding waren wir in Group 3. In Wien funktionierte das Gruppensystem aufgrund der Menschentraube vor dem Gate bei unserem Flug allerdings nur bedingt erkennbar - abgesehen von Business-Class-, Status- und Preboarding-Passagieren. Ganz anders in Newark, wo für die einzelnen Gruppen abgesperrte Lanes eingerichtet waren.
Der erste Eindruck
In der Boeing 787 befindet sich die Premium Economy hinter der Business Class und der zweiten - und meistgenutzten - Einstiegstüre. Positiv fällt sofort auf, dass es sich um eine kleine, sowohl nach vorne als auch nach hinten zur Economy Class hin abgetrennte Kabine handelt. Das verleiht ihr ein ruhiges und vergleichsweise intimes Ambiente. Das ist keineswegs selbstverständlich: Sowohl bei der größeren Boeing 777 als auch bei vielen Mustern der Konzernschwester Lufthansa gibt es lediglich eine optische Abtrennung zur Economy Class.
In der Boeing 787 sind die Sitze in drei Reihen in einer 2-3-2-Konfiguration angeordnet. Der Vorteil: Lediglich drei der insgesamt 21 Plätze sind Mittelsitze, alle anderen befinden sich am Fenster oder Gang.
Die AUA setzt in diesem Muster auf das bewährte MiQ-Sitzmodell des Herstellers Collins Aerospace, das auch von Airlines wie United, KLM oder SAS genutzt wird. Der Sitz ist rund 47 Zentimeter breit und verfügt über eine großzügig neigbare Rückenlehne sowie eine nach vorne ausklappbare Beinstütze. Eine vierfach verstellbare Kopfstütze erhöht den Sitzkomfort zusätzlich. Zur Ausstattung gehören außerdem ein recht großer Monitor, ein etwas versteckt in der Armlehne untergebrachter Strom- und USB-A-Anschluss sowie eine Fernbedienung für das Unterhaltungssystem.
Besonders wichtig für das Platzangebot ist der Sitzabstand: Er beträgt 96,5 Zentimeter und liegt damit deutlich über den 78,7 Zentimetern in der Economy Class der 787. Die Ablageflächen sind hingegen eher begrenzt. Neben zwei Taschen im Vordersitz gibt es an der mittleren Armlehne ein kleines Fach, in dem sich beispielsweise das Handy verstauen lässt. Dort befindet sich auch der Stromanschluss.
Insgesamt ist das Setting durchaus bequem - allerdings mit einem Manko: Da sich die Rückenlehne relativ weit nach hinten neigen lässt, wird der Platz des dahinter sitzenden Passagiers zwangsläufig etwas eingeschränkt. Dieses Problem soll sich künftig erledigen, wie wir weiter unten noch ausführen.
Auf Langstrecken ebenfalls nicht ganz unwichtig: die Toiletten. Sie sind von der Premium Economy aus sehr gut erreichbar und befinden sich zwischen dieser und der Business Class. Eine Besonderheit sind die Fenster - ganz nach dem Motto "A Loo with a View".
Service, Goodies und Kulinarik
Auch beim Bordservice gibt es Unterschiede zur Economy Class. So findet man auf dem Sitz ein kleines Amenity Kit - übrigens mit dem gleichen Inhalt wie in der Business Class - sowie Noise-Cancelling-Kopfhörer. Für zusätzlichen Komfort sorgen ein Polster und eine Decke.
Nach dem Boarding wurden auf unseren Flügen Wasser oder Orangensaft im Glas gereicht und Menükarten ausgeteilt, gefolgt von einem Sackerl mit Keksen. Auf einem der beiden Flüge begrüßte uns zudem eine Purserin persönlich und mit Namen - ein Service, das selbst in der Business Class nicht immer selbstverständlich ist.
Das Essen wird in der Premium Economy auf Porzellan serviert - und zwar auf den für die AUA typischen dreieckigen Tellern und Schüsseln sowie mit einer Stoffserviette. Neben dem Hauptgericht - wahlweise mit Fleisch oder in einer vegetarischen Variante - gab es jeweils einen kleinen Salat, Käse und eine Nachspeise. Sowohl bei der Menge als auch beim Geschmack war jedenfalls nichts auszusetzen. Rund zwei Stunden vor der Landung wurde noch ein Snack bzw. auf dem Rückflug ein Frühstück serviert.
Weniger Premium-Charakter hatte hingegen die Tatsache, dass die Getränke zu den Mahlzeiten in Plastikbechern serviert wurden. Positiv fiel wiederum auf, dass die Passagiere analog zur Business Class nach dem ersten Service eine Wasserflasche erhielten.
Beim Unterhaltungssystem gibt es naturgemäß keinen Unterschied zu den anderen Klassen. Ganz aktuelle Blockbuster waren zwar nur wenige zu finden - den einen oder anderen guten Film gibt es aber sicherlich zu entdecken. Wi-Fi steht an Bord der Boeing 787 ebenfalls zur Verfügung. Die Geschwindigkeit war bei unseren Flügen allerdings unter jeder Kritik. Das Premium Full Flight-Paket war die dafür verlangten 25 Euro aus unserer Sicht nicht wert. Künftig dürfte sich die Situation verbessern, da die Lufthansa Group auf Starlink setzt - ReiseInsider berichtete.
Fazit: Zahlt sich die Austrian Airlines Premium Economy Class aus?
Die Premium Economy Class bei Austrian Airlines ist eine gute Alternative sowohl zur höherpreisigen Business Class als auch zur günstigeren, aber deutlich weniger komfortablen regulären Economy Class. Wen es nicht stört, dass sich der Sitz nicht in ein komplett flaches Bett verwandeln lässt, und wer weder Fast Track noch Loungezugang benötigt - sofern man diesen nicht ohnehin über einen Status oder eine Kreditkarte erhält -, reist hier durchaus komfortabel. Auch für Economy-Passagiere, die entspannter und ausgeruhter ankommen möchten, ist die Zwischenklasse eine gute Wahl, wenn es das Reisebudget zulässt.
Dass das Produkt gut angenommen wird, zeigte sich bei unseren beiden Testflügen auch an der Auslastung: Die Kabine war jeweils zu 100 Prozent belegt. Künftig könnte die Attraktivität noch einmal steigen. Ab 2027 baut die AUA die Klasse wie bereits erwähnt um und installiert neben einer vierten Sitzreihe auch ein neues Modell des Herstellers ZIM. Die Besonderheit: Der Sitz verfügt über eine feste Rückenschale, wodurch der dahinter sitzende Passagier nicht mehr durch eine zurückgekippte Rückenlehne beeinträchtigt wird.
Einige Details - etwa der künftige Sitzabstand - wurden bislang noch nicht bekannt gegeben. Bestehen bleiben soll hingegen die Trennwand zur Economy Class: Dies wurde von der AUA gegenüber ReiseInsider bestätigt.
Die Flüge für diesen Produkttest wurden nicht zur Verfügung gestellt. ReiseInsider oder die Cubo Media GmbH haben keine finanzielle Zuwendung oder sonstiges Sponsoring für diesen Artikel erhalten.
















