Was gibt es Schöneres, als ferne Länder, faszinierende Natur und interessante Kulturen zu erleben? Das Unangenehme daran: Man muss irgendwie hinkommen - in der Regel mit dem Flugzeug. Zwölf Stunden in der Economy Class etwa nach Fernost zu fliegen, ist dabei nicht jedermanns Sache und kann durchaus zur körperlich-seelischen Belastungsprobe werden.
Diese zwölf Stunden kann man allerdings auch etwas angenehmer als eingepfercht in der Holzklasse verbringen: In der Business Class nämlich, wo man kulinarisch verwöhnt wird und es sich dazwischen auf einem gemütlichen Stuhl, der sich auf Knopfdruck in ein Bett verwandelt, bequem machen kann. Der Nachteil dabei: Die Business Class kostet - und zwar oft richtig viel Geld.
Aber die Airlines wissen, dass gar nicht so wenige Gäste dieses "Mehr" an Komfort auch durchaus zu bezahlen gewillt sind. So bringen die Premium-Kabinen oft gutes Geld in die Kassen der nicht selten über Steuern und ungünstige Rahmenbedingungen klagenden Fluglinien.
Austrian Airlines setzt natürlich ebenfalls stark auf dieses Produkt mit seiner guten Marge. In ihren Langstreckenflugzeugen nehmen die Business-Class-Kabinen rund ein Viertel bis ein Fünftel der Fläche ein. Dabei setzt die Airline aktuell auf zwei verschiedene Sitzprodukte: In den Boeing 767 und 777, die in den nächsten Jahren ausgemustert werden, findet man die ab 2012 eingeführten Aero-Vantage-Sitze des Herstellers Thompson. Die neueren Boeing 787 hingegen sind mit Super-Diamond-Sitzen von Collins ausgestattet und sehen grundlegend anders aus, weil die Flugzeuge ursprünglich von einer anderen Airline übernommen wurden.
Obwohl die Ausstattung ein maßgeblicher Aspekt ist, sind für das Gesamtprodukt noch viele andere Dinge wichtig: Angefangen vom Check-in über einen möglichst "smoothen" Weg durch die Sicherheitskontrolle, die Lounge und das Einsteigen spannt sich der Bogen bis zum wichtigsten Teil, dem Flugerlebnis selbst. Dort entscheiden neben dem Kabinenprodukt auch Personal und Kulinarik darüber, ob der Flug in positiver Erinnerung bleibt.
Nachdem wir die Business Class von Austrian Airlines zuletzt am Ausklang der Corona-Krise getestet hatten (siehe hier), als Service und Kulinarik noch mit Masken und Einschränkungen durchgeführt wurden, haben wir der AUA-Premium-Klasse auf einem Flug von Wien nach Tokio und zurück abermals einen Besuch abgestattet. Zum Einsatz kam auf diesen Flügen die Boeing 777 mit der erwähnten älteren Ausstattung.
Vor dem Flug: Check-in, Sicherheitskontrolle, Lounge
Zur Buchung muss man nicht viel schreiben: Diese funktioniert wie bei allen Airlines der Lufthansa Group unkompliziert und übersichtlich. Derzeit ist bei allen Business-Class-Tarifen der AUA die Sitzplatzreservierung inkludiert. Da wir zu zweit unterwegs waren, buchten wir eine Zweierbank am Fenster mit. Die Boeing 777 ist in einer abwechselnden 2-2-2- und 1-2-1-Konfiguration ausgestattet. (falls das zu kompliziert klingt - hier ist der Sitzplan von AeroLOPA: www.aerolopa.com/os-772).
Der kleine Nachteil bei der 777 ist demnach, dass es von den Zweier-Fensterplätzen keinen direkten Gangzugang gibt. Ein weiteres Minus ist, dass es dort etwas weniger Platz als in den Mittelreihen gibt. Für Freunde des gepflegten Fensterplatzes ist dies allerdings sekundär!
So viel zur Sitzauswahl. Der Check-in über die App ist ebenso einfach, die Kofferabgabe am Flughafen Wien dank des abgegrenzten Bereichs schnell erledigt - genauso wie die Fast-Lane-Sicherheitskontrolle. Da viele Tokio-Flüge nicht vom AUA-Terminal, sondern vom "alten" Flugsteig mit den D-Gates starten, muss man vom Check-in allerdings etwas weiter gehen.
Nach der Passkontrolle, die mittlerweile elektronisch und schnell funktioniert, kann man die dortige AUA-Lounge besuchen. Diese ist allerdings ziemlich klein und nicht besonders "cozy". Wer etwas Zeit und eine Kreditkarte mit Loungezugang hat, sollte vielleicht die nahe und mehrfach ausgezeichnete Vienna Lounge des Flughafens nutzen. Der Einstieg ins Flugzeug verlief bei unserem Flug dank Boardinggruppen unkompliziert und schnell.
Beim Retourflug ab Tokio-Narita war die Situation ebenfalls entspannt: Statt elendslanger Schlangen an den benachbarten Economy-Schaltern gab es hier einen eigenen Bereich für First und Business Class und damit auch eine rasche Gepäckabgabe. Genauso stand auch hier eine Fast Lane zur Verfügung, wodurch wir die Sicherheitskontrolle schnell hinter uns lassen konnten.
Die Lufthansa Group betreibt in Tokio-Narita keine eigenen Lounges, sodass man jene von Star-Alliance-Partnern nutzen kann, beispielsweise United Airlines oder die hier ansässige ANA. Wir gingen in eine sehr großzügige ANA-Lounge, die auch bei Getränken und Kulinarik einiges bieten konnte.
Der Business-Class-Sitz
Nachdem es die aktuelle Business Class bereits seit knapp eineinhalb Jahrzehnten gibt, wurde über das Sitzmodell schon viel geschrieben - eben auch hier auf ReiseInsider. Nur so viel: Unserer Meinung nach ist der Sitz durchaus komfortabel und bietet das, was er soll. Man kann auch viele Stunden sitzend, liegend oder in Loungeposition verbringen, ohne nach der Landung gleich einen Termin beim Physiotherapeuten vereinbaren oder eine Dekubitussalbe erwerben zu müssen.
Die Probleme sind ein etwas hakeliger Tisch, eine gewisse Enge in der Liegeposition und nicht besonders viele Ablageflächen. Praktisch sind eine Flaschenhalterung und eine Lademöglichkeit per USB-A oder über eine Universalsteckdose. Der Sitz funktioniert ansonsten gut und lässt sich recht einfach in die jeweils gewünschte Position bewegen.
Am Platz gibt es ein Amenity Kit (dazu mehr weiter unten), einen Polster, eine Decke, Schlapfen sowie Noise-Cancelling-Kopfhörer.
Kulinarik in der Austrian Business Class
Der kulinarische Aspekt der AUA-Business-Class wurde - nicht zuletzt dank des DO & CO Caterings - bereits des Öfteren ausgezeichnet. Und tatsächlich wird dieser Teil noch immer richtiggehend zelebriert. Unter anderem mit den "Flying Chefs", den fliegenden Köchinnen und Köchen, die bei unserer letzten Review nach Corona temporär nicht an Bord waren.
In der Regel wird noch vor dem Start eine Speisekarte auf Papier ausgeteilt, aus der man die Hauptspeise wählen kann. Meist stehen Fleisch, Fisch und eine vegetarische Option zur Auswahl. Die Vorspeise kommt, auf unseren beiden Flügen nach einem Gruß aus der Küche, vom Wagen und wird nach Wunsch der Passagiere angerichtet. In unserem Fall der Einfachheit halber als Potpourri - "a little bit of everything" sozusagen.
Anschließend folgt die Suppe, die direkt in der Schüssel serviert wird. Früher gab es diese auch aus dem Suppentopf vom Wagen, das wurde aber offenbar eingestellt, was dem Erlebnis keinen Abbruch tut. Auch der Hauptgang wird auf Tellern direkt serviert, das Dessert folgt dann wieder vom Wagen.
Sowohl optisch, also beim "Plating", als auch geschmacklich waren sämtliche Speisen top. Hier wird verständlich, warum die AUA in diesem Bereich immer wieder punkten kann. Einige Fotos davon gibt es in der Bildergalerie oben.
Von der Crew bis zu den Amenity Kits
Die Menschen auf einer Reise sind immer der wichtigste Aspekt - auch im Flieger und vor allem auf einem langen Flug. Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter haben einen höchst verantwortungsvollen Job, insbesondere dann, wenn Dinge einmal nicht nach Plan laufen. Aber auch im regulären Service freuen sich die Reisenden, wenn sie es mit freundlichen und kundenorientierten Flight Attendants zu tun haben. Umgekehrt wahrscheinlich auch...
Was wir bei Austrian Airlines nach vielen, vielen Flügen sagen können: Meistens hat man ein äußerst gutes Gefühl - und zwar gleichermaßen, was Professionalität, Freundlichkeit und Herzlichkeit betrifft. Und so war es auch bei diesen beiden sehr langen Flügen. Beginnend mit einem freundlichen Empfang, bei einem Flug stellte sich die leitende Flugbegleiterin auch persönlich vor, war das Team während des gesamten Fluges präsent und bot beispielsweise immer wieder Getränke und kleine Snacks an. Also: Auch hier top.
Was hat uns weniger gut gefallen? Eine Sache sind die Amenity Kits. Diese sind aktuell aufgrund einer Zusammenarbeit mit dem MAK in Wien zwar sehr schön gestaltet (www.reiseinsider.at/details/austrian-airlines-holt-das-mak-an-bord). Der Inhalt ist aber mager und kann mit manchen anderen Airlines nicht mithalten. Bei der AUA gibt es wirklich nur die Basics: Schlafmaske, Ohrenstöpsel, Zahnbürste, Zahnputztablette und Socken. Da ist definitiv Luft nach oben. Früher war das Kit auch schon einmal etwas üppiger gefüllt, wie das entsprechende Foto unserer letzten Review beweist.
Nicht optimal gelöst ist auch das Toiletten-Thema. Zwar gibt es vor und hinter der Kabine jeweils eine eigene Toilette für die Gäste der Business Class, allerdings wird die hintere trotz entsprechender Beschilderung auch von Economy-Passagieren genutzt - dadurch kann es hier mitunter zu längeren Warteschlangen kommen. Abgesehen davon findet man in den Toiletten nur das Notwendigste: Seife, Handlotion und sonst, abgesehen von Klopapier und Handtüchern, nichts.
Auch hier kann man sich an anderen Airlines orientieren, die in diesem Bereich diverse Goodies bereitstellen und deren Toiletten dann auch nicht unbedingt den Charme eines Zugklos aus den 1980er-Jahren besitzen. Nichts auszusetzen gab es glücklicherweise an der Sauberkeit.
Fazit: Wie gut ist die Austrian Airlines Business Class?
Insgesamt bietet Austrian Airlines auf der Boeing 777 weiterhin ein gutes Business-Class-Produkt. Die Sitze sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen, erfüllen ihren Zweck aber solide und tun das, wofür sie gedacht sind. Wirklich herausragend sind unserer Erfahrung nach jedenfalls die Crew und die Kulinarik.
Unterm Strich bleibt die Business Class der AUA unserer Erfahrung also weiterhin eine sehr gute Wahl auf der Langstrecke!
Die Flüge für diesen Produkttest wurden nicht zur Verfügung gestellt. ReiseInsider oder die Cubo Media GmbH haben keine finanzielle Zuwendung oder sonstiges Sponsoring für diesen Artikel erhalten.















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