Sie wirkt beeindruckend, wenn sie mit ihren drei hohen Masten und einer Länge von 98 Metern im Hafen von Bergen liegt. Die Statsraad Lehmkuhl ist das größte Segelschiff Norwegens und bietet neben der Stammbesatzung Platz für bis zu 140 Schüler, Studenten oder Kadetten der norwegischen Marine.
Das Segelschulschiff blickt auf eine mehr als 110-jährige Geschichte zurück. Die stählerne Bark wurde 1914 unter dem Namen Großherzog Friedrich August in Geestemünde bei Bremerhaven in Dienst gestellt. Aufgrund ihrer guten Segeleigenschaften machte sie sich rasch einen Namen. Nach dem Ersten Weltkrieg gelangte das Schiff nach England und wurde 1923 vom norwegischen Reedereiverband erworben - seitdem ist die Statsraad Lehmkuhl in Bergen beheimatet. Heute wird sie von der Stiftung "Segelschiff Statsraad Lehmkuhl" betrieben.
Neben der Stammbesatzung begrüßt das Schiff regelmäßig Gäste aller Altersgruppen. Programmleiterin und stellvertretende Expeditionsleiterin Solveig Etter berichtet, dass die Teilnehmer von 15-jährigen Schülern bis zu über 80-jährigen Segelbegeisterten reichen. Je nach Programm kann ein Aufenthalt nur wenige Tage oder im Rahmen einer Expedition mehrere Monate dauern. Auf der Website der Stiftung lehmkuhl.no finden Interessierte zahlreiche Möglichkeiten, selbst Teil eines solchen Segelabenteuers zu werden.
Teil der Mannschaft
Wer an Bord kommt, wird Teil der Mannschaft und übernimmt feste Aufgaben, wie Solveig Etter erklärt. Dazu gehören täglich zwei Arbeitsschichten von jeweils vier Stunden. Wer schwindelfrei und mutig ist, kann dabei sogar die bis zu 53 Meter hohen Masten erklimmen.
Luxus sucht man auf der Statsraad Lehmkuhl hingegen vergeblich. Abgesehen von der historischen Offiziersmesse, die weitgehend in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde, steht Funktionalität im Vordergrund. Für persönliche Gegenstände muss ein kleiner Spind ausreichen. WLAN oder Rückzugsmöglichkeiten gibt es auf längeren Reisen nicht.
Gegessen, geschlafen und gelernt wird gemeinsam in den Aufenthaltsräumen des Schiffes. Für die Nachtruhe dienen vielerorts Hängematten, die sich insbesondere bei rauer See bewährt haben. Die gemeinsamen Erlebnisse an Bord schweißen die Teilnehmer zusammen. Nicht selten entstehen dabei Freundschaften, die weit über die Reise hinaus bestehen bleiben, berichtet Kapitän Jens Joachim Hiorth. Gleichzeitig lernen die Teilnehmer, Verantwortung zu übernehmen und mit Herausforderungen umzugehen - Erfahrungen, die insbesondere für junge Menschen prägend sein können.
Schwimmendes Forschungslabor
Die Statsraad Lehmkuhl ist jedoch weit mehr als ein Schulschiff. Sie dient zugleich als schwimmendes Forschungslabor. Wissenschaftlerin Lucie Cassarino zeigt während unseres Besuchs ihre mit Monitoren, Computern und Messgeräten ausgestattete Arbeitskajüte.
Auf Expeditionen werden mithilfe zahlreicher Sensoren Daten aus Atmosphäre und Ozean gesammelt. Messgeräte an den Masten erfassen Wetter- und Umweltdaten, während unter Wasser Informationen aus Tiefen von bis zu 1.200 Metern gewonnen werden. Erfasst werden unter anderem Meeresströmungen, Sauerstoffgehalt und Mikroplastikbelastung.
Erst am 18. April 2026 kehrte die Crew von ihrer jüngsten One Ocean Expedition zurück. Im Verlauf eines Jahres lief das Schiff als Botschafter der UN-Ozeandekade Häfen auf drei Kontinenten an. Die Initiative verfolgt das Ziel, die internationale Zusammenarbeit in der Ozeanforschung zu stärken und eine nachhaltige Nutzung der Meere zu fördern.
Die Statsraad Lehmkuhl vereint damit mehrere Aufgaben unter einem Dach: Sie bildet Nachwuchs aus, vermittelt praktische Erfahrungen auf See und unterstützt zugleich wissenschaftliche Projekte zur Erforschung der Ozeane. Gerade diese Kombination macht das historische Segelschiff bis heute zu etwas Besonderem.















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