Am 24. September 2026 wurde der Konferenzsaal des Office Park 4 am Flughafen wieder einmal zum zentralen Treffpunkt der österreichischen Luftfahrtindustrie. Vertreterinnen und Vertreter von Fluglinien, Ministerien, Austro Control und Eurocontrol sowie zahlreicher produzierender Luftfahrtunternehmen aus Österreich trafen sich auf Einladung der Interessenvertretung Aviation Industry Austria, um über die aktuellen Probleme der Branche zu sprechen. Der Tag der österreichischen Luftfahrtindustrie stand unter dem Motto "Impulse für die Luftfahrtstrategie Österreich: Standort stärken in Zeiten globaler Krisen und Kriege".
Wie Flughafen-Wien-Hausherr Julian Jäger in seiner Ansprache erklärte, seien bereits zuvor geäußerte Befürchtungen der Industrie tatsächlich eingetreten. Während die Flughäfen in Österreich in den ersten sechs Monaten des Jahres ein Minus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichneten, waren es am Flughafen Schwechat rund vier Prozent. Der Iran-Krieg sowie der massive Anstieg der Kerosinpreise bereiten den Airlines zusätzlich Sorgen, da derzeit noch nicht absehbar sei, welche Auswirkungen die hohen Kosten auf die Branche haben werden.
Jäger dankte gleichzeitig der Politik für die gute Zusammenarbeit, verwies aber auch auf die negativen Auswirkungen der Flugabgabe und ihre Folgen für die Luftfahrtindustrie in Österreich: "Die Flugabgabe ist der Hebel, um wieder Passagiere und Airlines anzusprechen", so Jäger. Die im Budget vorgesehenen 30 Millionen Euro Unterstützung pro Jahr würden nicht ausreichen, um der Branche ausreichend zu helfen und den Passagierrückgang am Standort Wien abzufangen. Sein Wunsch an das Christkind - gemeint war die Bundesregierung - sei daher die Verdoppelung der versprochenen Summe.
Minister Hanke setzt ein Zeichen
Für eine Überraschung sorgte Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur Peter Hanke in seiner Begrüßungsrede. Mit der Aussage "Wir stehen zur Luftfahrt - wir lassen Sie nicht allein" bekräftigte der Minister in einer sehr emotional gehaltenen Rede die Unterstützung der Bundesregierung für die Luftfahrtindustrie. Man sei sich sehr wohl bewusst, welche Leistungen gerade die produzierenden Industrieunternehmen erbringen und wie wichtig der Luftverkehr und die dazugehörige Infrastruktur für Österreich seien. Mobilitätsstrategien stünden deshalb im Fokus der Regierung und seines Ministeriums, weshalb man gemeinsam eine "Luftfahrtstrategie 2040+" ausarbeiten wolle, so Hanke.
Auf die finanzielle Unterstützung der Regierung angesprochen, erklärte der Minister, ihm sei klar, dass diese Summe nicht ausreichen werde. Angesichts der angespannten finanziellen Situation habe er jedoch bereits für diesen Betrag hart verhandeln müssen.
Situation durchwachsen
Aviation-Industry-Austria-Präsident Peter Malanik gab in seiner Rede eine Einschätzung zur Lage der österreichischen Luftfahrtindustrie ab. Die Situation der Branche sei derzeit "durchwachsen". Den Airlines gehe es schlechter, während die produzierende Luftfahrtindustrie von einer guten Auftragslage profitiere, so Malanik. Als Beispiel nannte er die österreichischen Zulieferunternehmen für den Flugzeughersteller Airbus, bei denen Österreich weltweit zu den sieben größten Zulieferländern zählt. Schwieriger sei die Situation bei den Airlines: Allein der Kerosinpreis sei für die Fluggesellschaften seit Ausbruch des Iran-Krieges um 129 Prozent gestiegen.
Für den Präsidenten der AIA sei ebenfalls klar, dass die Flugabgabe in Österreich kontraproduktiv sei: "Wären die Passagiere nicht etwa in die Slowakei abgewandert, hätte der Flughafen Wien eigentlich um 2,2 Millionen mehr Gäste verzeichnen müssen", so Malanik. Anhand einer grafischen Darstellung machte er noch einmal deutlich, dass bereits eine Million zusätzliche Passagiere pro Jahr ausreichen würden, um den Entfall der Flugabgabe durch zusätzliche Steuereinnahmen zu kompensieren. Malanik forderte die Regierung daher eindringlich auf, die Abgabe abzuschaffen.
Generalmajor Gerfried Promberger, Air Chief des österreichischen Bundesheeres, referierte über den zivilen Luftverkehr in einer zunehmend "unzivilisierten" Welt: "Die Neutralität Österreichs schützt uns nicht", erläuterte er gleich zu Beginn seines Vortrags. Das österreichische Bundesheer habe rund 100 Einsätze pro Jahr, bei denen die Identität eines Flugobjekts geklärt werden müsse. Die Zahl der Drohnenangriffe und Bedrohungen habe in den vergangenen Jahren in Europa stark zugenommen. Umso wichtiger sei es, die Handlungsfähigkeit des Bundesheeres, den Schutz kritischer Infrastruktur und sichere Verkehrswege zu gewährleisten.
Die Anschaffung neuer Luftfahrzeuge, von Ausrüstungsgegenständen für die Truppe und einer Drohnenabwehr sei weder "Wunschkonzert noch Prestige", so Promberger.
Hohe Mehrkosten für die Airlines
Welche Auswirkungen die Kriege in der Ukraine und im Iran auf die österreichischen Fluglinien haben, erläuterte Austrian-Flugkapitän Helmut Haubenwaller, Vice President Flight Operations, am Beispiel eines Fluges nach Tokio. Aufgrund von Luftraumsperrungen sei man derzeit rund vier Stunden länger unterwegs als früher. Dadurch müssten vier statt drei Piloten an Bord sein und entsprechend mehr Kerosin mitgeführt werden. Austrian Airlines entstünden allein auf dieser Route monatliche Mehrkosten von rund einer Million Euro, so Haubenwaller.






