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China Airlines: Tägliche Flüge ab Wien im Fokus

Erstellt von Martin Dichler.  Veröffentlicht am 17.04.2026

Ray Chang, Country Manager der Taiwanesischen Airline, im Interview mit ReiseInsider.

Ray Chang von China Airlines. © Martin DichlerChina Airlines kommt seit über 20 Jahren nach Wien. © Martin DichlerBusiness Class bei China Airlines. © Martin Dichler

Die taiwanesische Fluggesellschaft China Airlines feierte im vergangenen Jahr ihr 20-jähriges Wien-Jubiläum. ReiseInsider sprach mit Country Manager Ray Chang über die aktuelle Situation am Standort Wien, den möglichen Ausbau des Angebots sowie die verstärkte Nachfrage nach Flügen infolge des Iran-Kriegs. 

ReiseInsider: Dürfte ich Sie bitten, uns zu Beginn des Gesprächs ein wenig über sich selbst und Ihre Karriere bei China Airlines zu erzählen?

Ray Chang: Ich bin 1996 zu China Airlines gekommen und freue mich sehr, heuer mein 30-jähriges Jubiläum im Unternehmen zu feiern. Ich habe ursprünglich als Luftfahrtingenieur bei China Airlines angefangen und bin dann nach England gegangen, um einen Bachelorabschluss in Luftverkehrsmanagement zu erwerben. Nach meinem Masterabschluss kehrte ich zu China Airlines zurück und hatte bis 2013 verschiedene Positionen inne, unter anderem in der Flottenplanung.

Danach änderten sich meine Aufgaben im Unternehmen: Ich war drei Jahre lang als Marketingmanager in Amsterdam tätig, wechselte anschließend als General Manager nach Brisbane und kehrte danach nach Taipeh zurück, um das Projekt für die Neubestellungen der Boeing 777-9 und des Airbus A350-1000 zu leiten, bevor ich im Juni 2025 als neuer General Manager nach Österreich kam.

Wie gut haben Sie sich bereits eingelebt, und was gefällt Ihnen an Ihrem neuen Arbeitsort?

Wien ist eine wunderbare Stadt! Ich habe früher in England gelebt, und mein Beruf hat mich durch ganz Europa geführt, sodass ich bereits mit vielen Orten auf dem Kontinent vertraut war. Aber Österreich und Wien sind für mich etwas Besonderes – ich habe hier 2009 meine Flitterwochen verbracht, daher habe ich natürlich eine besondere Verbindung zu diesem Ort.

Wie schwierig ist der österreichische Markt für China Airlines?

Österreich ist in der Tat eine Herausforderung für China Airlines, da es sich um einen Markt handelt, der stark auf Urlaubs- und weniger auf Geschäftsreisen ausgerichtet ist. Wien ist jedoch ein sehr guter Knotenpunkt für Mittel- und Osteuropa. Wir haben zuletzt unsere lokale Strategie geändert; wir erschließen die Märkte – insbesondere die benachbarten osteuropäischen Märkte – direkt mit unserem eigenen Verkaufspersonal, anstatt über beauftragte lokale GSAs (General Sales Agents).

Wie wichtig sind diese Märkte für den Erfolg der Flüge ab Wien?

Derzeit noch begrenzt, aber wir haben festgestellt, dass sie großes Potenzial bergen, da immer mehr taiwanesische Unternehmen in diesen Märkten aktiv werden.

Wie viele Passagiere nutzen jährlich die Verbindung ab Wien?

Rund 55.000 Passagiere pro Jahr nutzen die Verbindung von China Airlines ab Wien. Allerdings sind nach wie vor nur etwa 25 bis 27 Prozent der Passagiere ab Wien Abreisende, während der Anteil der Ankünfte aus Taiwan und Asien entsprechend hoch ist. Das bedeutet, dass für uns noch großes Potenzial besteht: Derzeit fliegen rund 40 Prozent der Passagiere nach Taipeh, der Rest reist über unser Streckennetz weiter zu Zielen in Asien und darüber hinaus. Wussten Sie zum Beispiel, dass China Airlines die größte ausländische Fluggesellschaft in Japan ist und von dort aus über unseren Hub in Taipeh bis zu 12 Ziele anfliegt?

China Airlines bietet Flüge von ihrer Heimatbasis in Taipeh in die großen Städte Europas an – welche Rolle spielt Wien dabei?

Amsterdam ist aufgrund der SkyTeam-Partnerschaft mit KLM von besonderer Bedeutung, ebenso wie London und Frankfurt, die mit mehr Kapazitäten (bzw. Flügen) pro Woche deutlich größere Märkte darstellen als Wien. Die österreichische Hauptstadt ist unser „Tor zum Osten“, ist aber – ähnlich wie das neue Ziel Prag – eher ein Nischenmarkt.

Wie zufrieden sind Sie mit der Gesamtauslastung auf den Flügen nach Wien, und wie entwickeln sich die Business- und Premium-Economy-Klasse auf dieser Strecke?

Wir sind recht zufrieden, da die Gesamtauslastung unserer Flüge bei über 80 Prozent liegt und wir in der Hochsaison 2025 fast 90 Prozent erreicht haben. In den ersten vier Monaten dieses Jahres verzeichnete unsere Business Class eine Auslastung von über 80 Prozent, und seit wir im letzten Jahr die Werbung für unser Premium-Economy-Produkt verstärkt haben, ist die Auslastung auf ein Niveau gestiegen, das unsere Erwartungen bei weitem übertrifft.

Wie wirkt sich der Krieg im Iran derzeit auf das Geschäft von China Airlines aus?

Sehr positiv, was die Entwicklung unseres Passagieraufkommens angeht, da viele arabische Fluggesellschaften ihren Flugbetrieb seit Beginn der Krise stark eingeschränkt oder ganz eingestellt haben. Die Passagiere sind daher verunsichert und suchen nach Fluggesellschaften, die Direktflüge nach Asien anbieten. Als der Krieg Ende Februar begann, stieg das Volumen der Last-Minute-Buchungen bis April massiv an.

Wir können nicht sagen, wie lange dies anhalten wird, aber derzeit profitieren wir als asiatische Fluggesellschaft mit Nonstop-Flügen von der Situation. Allerdings ist es derzeit auch unvermeidbar, dass gleichzeitig die Treibstoffkosten deutlich steigen.

Befürchten Sie nicht, dass die Krise auch die Nachfrage nach Reisen nach Asien schwächen könnte?

Ja, das könnte durchaus passieren; es ist eine Realität für die Branche, denn Reisende sind besorgt und stornieren bereits Flüge. Die durch die Ölkrise verursachten höheren Lebenshaltungskosten könnten zu geringeren Reisebudgets führen. Steigende Treibstoffpreise wirken sich natürlich auch auf uns aus, aber wir in der Luftfahrtbranche haben gelernt, mit Krisen umzugehen. Als Fluggesellschaft ist es daher wichtig, sich ständig zu verbessern und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Auf Ihren Flügen nach Prag setzt die Fluggesellschaft einen ehemaligen Airbus A350 der SAS ein, der über mehr Premium-, aber weniger Economy-Sitze verfügt. Ist das ein Flugzeugtyp, den Sie sich auch in Wien wünschen würden?

Wie viele Fluggesellschaften weltweit sehen wir uns mit einer Situation konfrontiert, in der aufgrund von Lieferverzögerungen seitens der Flugzeughersteller nicht genügend Flugzeugkapazitäten zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund haben wir einen ehemaligen A350 der SAS in unsere Flotte aufgenommen. Aus betrieblichen Gründen wird dieses Flugzeug jedoch ausschließlich auf den drei wöchentlichen Flügen nach Prag eingesetzt. Ab nächstem Jahr wird China Airlines jedoch damit beginnen, die Kabinen unserer A350-900 XWB zu modernisieren und mit Sitzen der neuen Generation auszustatten.

China Airlines hat den Airbus A350-1000XWB und die 777-9 bestellt – werden diese Flugzeuge auch in Europa zu sehen sein?

Beide Flugzeugtypen sollen zunächst die bestehende Flotte der Boeing 777-300ER auf den längsten und verkehrsreichsten Strecken ersetzen. Daher soll die Boeing 777-9 hauptsächlich auf Strecken zu den wichtigsten Destinationen in den Vereinigten Staaten eingesetzt werden, während der A350-1000 vor allem auf sehr langen Strecken wie an die US-Ostküste und zu anderen Zielen eingesetzt werden soll. Das Unternehmen prüft jedoch noch, wo die Flugzeuge konkret eingesetzt werden. Der größte Vorteil des A350-1000 XWB ist seine Reichweite, sodass Flüge nach London Heathrow durchaus eine realistische Option darstellen, insbesondere im Winter.

Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang die Chancen ein, dass es in Zukunft mehr Flüge nach Wien geben wird?

Sobald das Problem des Mangels an verfügbaren Flugzeugen gelöst ist, möchten wir unsere sechs wöchentlichen Flüge nach Taipeh so bald wie möglich wieder aufnehmen – so wie vor der COVID-19-Pandemie. Durch die Aufnahme von Flügen nach Prag mussten wir unsere Kapazitäten aufteilen. Wann immer ich mit meinen Kollegen in Taipeh spreche, bitte ich um mehr Kapazitäten für die Strecke nach Wien. Aber ich bin nicht der Einzige, der dies fordert – es gibt viele entsprechende Anfragen, weshalb wir zusätzliche Flugzeuge benötigen.

Bis wann werden diese Probleme Ihrer Meinung nach gelöst sein?

Die ersten neuen Boeing 787 sollen ab dem zweiten Quartal 2026 ausgeliefert werden, daher hoffen wir, dass dies bereits eine erste Entlastung bringt. Ab dem kommenden Jahr sollen rund 10 bis 12 weitere Flugzeuge an China Airlines ausgeliefert werden. Wenn es nach mir ginge, wären fünf wöchentliche Flüge zwischen Wien und Taipeh ab dem Winterflugplan 2026/27 – und vielleicht ein sechster ab dem Sommerflugplan 2027 – ideal.

Bevor ich Wien in drei Jahren verlasse, habe ich jedoch noch eine wichtige Mission: Ich möchte einen täglichen Flug nach Taipeh etablieren. Dazu benötigen wir natürlich zunächst die entsprechenden Verkehrsrechte; wir hoffen auf die Unterstützung der Behörden, sobald ein entsprechender Antrag gestellt wird.

China Airlines im Kurzportrait

China Airlines wurde am 16. Dezember 1959 gegründet und ist heute die größte Fluggesellschaft Taiwans. Nach dem Ausbau zum internationalen Netzwerk-Carrier und dem Beitritt zur Luftfahrtallianz SkyTeam entwickelte sich die Airline zu einer wichtigen Marke im Verkehr zwischen Asien, Europa, Nordamerika und Ozeanien. Aktuell betreibt China Airlines nach eigenen Angaben 83 Flugzeuge, darunter 65 Passagierjets und 18 Frachtmaschinen; zugleich modernisiert das Unternehmen seine Flotte unter anderem mit Airbus A321neo und bereits bestellten Boeing 787-9. Damit positioniert sich die Gesellschaft derzeit als klassischer Full-Service-Carrier mit starker Cargo-Sparte und weltweitem Streckennetz.

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